6.11.2022, 21:59 Uhr
Viele Staats- und Regierungschefs sind in die Ukraine gereist, um ihre Solidarität mit dem Land nach Russlands Offensivkrieg auszudrücken. Bundeskanzler Scholz war nicht darunter. Für Juni ist eine Reise nach Kiew geplant – auch wenn Berlin das noch nicht bestätigt hat. Medienberichten zufolge will Bundeskanzler Olaf Solz noch vor dem G7-Gipfel Ende Juni nach Kiew reisen. Er plane einen Besuch beim französischen Präsidenten Emmanuel Macron und beim italienischen Ministerpräsidenten Mario Draghi, berichtete Bild am Sonntag unter Berufung auf die französische und die ukrainische Regierung. Der “Spiegel” bestätigte die Reisepläne unter Berufung auf “Regierungskreise”. Ein Sprecher der Bundesregierung sagte NTV gestern Abend, dass dies nicht bestätigt werden könne. Macrons Palast in Paris teilte mit: „Nein, wir bestätigen diese Information nicht.“ Seit Kriegsbeginn sind viele Staats- und Regierungschefs nach Kiew gereist, um ihre Solidarität mit dem von Russland angegriffenen Land zu bekunden. Scholz hatte zuletzt gesagt, er werde nur dorthin reisen, wenn es konkrete Gesprächsthemen gebe. Die Ukraine hofft, dass die EU sie auf ihrem Gipfel vom 23. bis 24. Juni kurz vor dem G7-Gipfel vom 26. bis 28. Juni zum Kandidatenland erklärt. Die EU-Kommission will dazu nächste Woche ihre Empfehlung vorlegen. Deshalb reiste die Chefin der Kommission, Ursula von der Leyen, am Wochenende zum zweiten Mal seit Kriegsbeginn nach Kiew. Dort traf er mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zusammen. Der Elysee-Palast teilte am Freitag mit, Macron stehe für einen Besuch in der Ukraine zur Verfügung, konkrete Pläne und Termine gebe es aber noch nicht. Eine solche Reise könnte vor, aber auch nach dem EU-Gipfel stattfinden. Von einem gemeinsamen Besuch mit Soltz oder Draghi war keine Rede. Der Zweck von Macrons Reise werde es sein, eine europäische Perspektive für die Ukraine zu öffnen oder zu starten, sagte er.
Kein „kurzer Ein- und Ausstieg mit Foto“
Selenskyj hat Scholz vor Wochen nach Kiew eingeladen. Anfangs gab es jedoch Unzufriedenheit wegen der kurzfristigen Absage der Reise von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier von ukrainischer Seite. Nachdem die Ärgernisse aufgeklärt waren, wies Scholz darauf hin, dass eine solche Reise nichts mit Symbolen zu tun habe, sondern mit Inhalten: „Ich werde mich nicht mit einem Fotoshooting einer Gruppe von Leuten anschließen, die drinnen und draußen etwas machen. dann sind es immer ganz konkrete Dinge“. Viele seiner Minister sind seitdem in die Ukraine gereist: Außenministerin Annalena Baerbock, Entwicklungsministerin Svenja Schulze und zuletzt Gesundheitsminister Karl Lauterbach und Landwirtschaftsminister Cem Özdemir. Auch Parlamentspräsidentin Berbel Bass und Oppositionsführer Friedrich Mertz besuchten Kiew. Stattdessen tourte Scholz am Freitag und Samstag durch fünf Balkanländer. Bei dieser Reise ging es auch um die EU-Mitgliedschaft: Vor 19 Jahren verpflichteten sich sechs Länder des Westbalkans, der Europäischen Union beizutreten. Keiner von ihnen steht heute kurz davor, beizutreten. Zwei haben nicht einmal den Kandidaturstatus, den sich die Ukraine jetzt erhofft. Bei seiner letzten Station in Sofia äußerte sich Scholz positiv zu den jüngsten Reisen von Leyens, Lauterbachs und Demzdemir nach Kiew. „Ich begrüße all diese Reisen“, sagte er. Sie überraschen ihn nicht und alles macht Sinn. Das ist auch der Standard für solche Reisen. Auf die Frage, ob und wann er in die Ukraine reisen werde, antwortete der Kanzler nicht. Reisen von führenden Politikern in Konflikt- oder gar Kriegsgebiete werden aus Sicherheitsgründen meist nicht angekündigt. Doch es gibt Ausnahmen: Scholz kündigte Baerbocks Reise im Vorfeld an, ohne ein genaues Datum zu nennen. Auch von der Leyen kündigte ihre erste Reise nach Kiew an, ohne Details zu nennen.